Es passiert meistens nach etwa vierzig Minuten. Vorher wird geschaut, wo ich gerade stehe, ob die Hand richtig liegt, ob das jetzt komisch aussieht. Dann verschiebt sich etwas. Ein Gespräch fängt an, das nichts mehr mit mir zu tun hat, jemand lacht über etwas, das ich nicht mitbekommen habe — und ab da komme ich im Bild nicht mehr vor.
Diese Zeit braucht es einmal. Die offene Frage ist nur, ob sie am Hochzeitstag anfällt oder vorher. Ich bin Julia, Hochzeitsfotografin in Zürich, und ich arbeite dokumentarisch: Ich führe euch nicht durch den Tag, ich gehe mit. Das funktioniert am besten, wenn ihr euch vor einer Kamera bewegen könnt, ohne darüber nachzudenken.
Was ist ein Paarshooting vor der Hochzeit?
Zwei bis drei Stunden, an einem Ort, den ihr euch aussucht. Keine Hochzeitskleidung, keine Gästeliste, kein Zeitplan, der kippt, wenn wir zehn Minuten länger bleiben. Manche Paare nennen es Verlobungsshooting, andere Engagement Shooting — der Ablauf ist derselbe.
Der Zweck ist nicht in erster Linie die Galerie. Ihr bekommt natürlich Bilder, und viele Paare verwenden sie später für Save-the-Date-Karten oder die eigene Hochzeitswebsite. Aber das ist der Nebeneffekt. Der eigentliche Grund ist, dass ich zwei Dinge über euch lerne, für die am Hochzeitstag keine Zeit ist: wie ihr euch bewegt, wenn niemand euch etwas sagt, und wie viel Abstand euch angenehm ist.
Pflicht ist der Termin nicht. Ich fotografiere auch Hochzeiten ohne vorheriges Shooting und plane dann am Tag selbst bewusst mehr Luft ein, damit dieselbe Gewöhnung dort stattfinden kann. Es ist nur der teurere Ort dafür — nicht im Geld, sondern in Minuten, die euch an dem Tag fehlen.
Was bringt ein Paarshooting für den Hochzeitstag?
Zwischen Trauung und Apéro habe ich selten mehr als dreissig Minuten für Paarbilder. Wenn diese dreissig damit anfangen, dass sich alle erst an mich gewöhnen müssen, bleiben zehn übrig.
Es gibt noch einen zweiten Effekt, der weniger offensichtlich ist. Nach einem Paarshooting kenne ich eure Gewohnheiten. Ich weiss, wer von euch beim Reden die Hände benutzt und wer stillsteht. Ich weiss, ob ihr Hand in Hand geht oder untergehakt. Am Hochzeitstag muss ich deshalb nichts mehr ausprobieren — ich stehe schon dort, wo gleich etwas passiert, statt zwei Sekunden später hinzulaufen.
Und ihr wisst dann, wie ich arbeite: dass ich wenig sage, dass ich mich langsam bewege, dass ich manchmal minutenlang gar nichts mache. Das ist beim ersten Mal ungewohnt. Beim zweiten Mal nicht mehr.
Was unterscheidet dich von anderen Hochzeitsfotografen in Zürich?
Drei Dinge, die ihr in einer Galerie nicht seht, am Tag selbst aber merkt.
Ich stelle nichts nach. Ist ein Moment vorbei, ist er vorbei. Ich hole niemanden zurück, um eine Szene zu wiederholen. Das kostet mich pro Hochzeit vielleicht zwei Aufnahmen — dafür ist alles, was später in der Galerie liegt, tatsächlich so passiert.
Ich senke die Kamera, wenn jemand kurz für sich sein möchte. Auch das kostet Bilder. Es ist der Grund, warum ihr nach einer Stunde vergesst, dass ich im Raum bin.
Am Tag selbst frage ich fast nichts. Wer wann wo steht, welche Räume es gibt, wann gegessen wird — das klären wir Wochen vorher. Ihr sollt abends vom Feiern müde sein, nicht davon, fotografiert zu werden.
Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Paarshooting?
Zwei bis vier Monate vor der Hochzeit ist der Bereich, in dem die meisten Termine bei mir liegen. Früh genug, dass die Bilder noch für Einladungen taugen. Spät genug, dass die Erinnerung an das Shooting am Hochzeitstag noch frisch ist.
Beim Licht rechne ich immer vom Sonnenuntergang zurück, nicht nach der Uhr: die letzte Stunde davor ist die, für die sich der Aufwand lohnt, und die verschiebt sich zwischen Juni und Oktober um mehrere Stunden. Unter der Woche ist es fast immer angenehmer als am Wochenende — an den bekannten Orten sind abends deutlich weniger Leute. Bei bedecktem Himmel sage ich selten ab. Wolken sind ein grosser weicher Diffusor, Farben werden satter, und niemand kneift die Augen zusammen.
Wo macht man ein Paarshooting in Zürich?
Der Ort ist weniger wichtig, als die meisten annehmen. Ein Platz, an dem ihr euch auskennt, ist besser als einer, der auf Pinterest gut aussieht.
Trotzdem, ein paar Vorschläge aus der Region. Die Waldränder oberhalb von Küsnacht und Meilen werden im Juni gegen sieben Uhr abends weich und grün. Am Zürichsee funktionieren die kleineren Badis ausserhalb der Stadt besser als die Quaianlagen, weil es dort abends ruhiger ist. In der Stadt mag ich die Gassen im Niederdorf nach einem Regen, wenn die Pflastersteine das Licht zurückwerfen. Und wenn ihr einen halben Tag habt, fahre ich mit euch in die Berge — Graubünden, das Berner Oberland, das Wallis.
Auch euer Zuhause ist eine Option. Küche, Sofa, Balkon. Das klingt unspektakulär und ergibt oft die Bilder, die ihr Jahre später am liebsten mögt.
Wie läuft ein Paarshooting bei mir ab?
Wir treffen uns, laufen ein Stück und reden. Fotografiert wird von der ersten Minute an, auch während wir reden — sonst geht die Kamera später gefühlt „an“, und genau das wollen wir vermeiden.
Anweisungen gebe ich wenige, und sie sind fast immer Tätigkeiten statt Posen: geht dort vorne bis zur Bank und wieder zurück, erzähl ihm von der Sache mit dem Zug, bleibt kurz stehen. Was daraus entsteht, ist eure Sache. Ich korrigiere höchstens etwas an der Position, wenn das Licht sonst verloren geht.
Zwischendurch machen wir Pause. Die Bilder nach der Pause sind meistens die besten des ganzen Termins.
Häufige Fragen
Was kostet ein Paarshooting in Zürich?
Das hängt von der Dauer ab, von der Anreise und davon, ob das Shooting allein steht oder Teil der Begleitung eures Hochzeitstags ist. Deshalb steht hier keine Zahl, die auf euch ohnehin nicht passen würde. Der Weg zur Zahl ist aber kurz: Kennenlerngespräch, und innerhalb von 24 Stunden habt ihr eine schriftliche Offerte für euren Tag.
Wie früh sollten wir buchen?
Für einen Samstag zwischen Juni und September melden sich die meisten Paare zwölf bis achtzehn Monate vorher. Freitage, Winterhochzeiten und kleine Feiern gehen oft deutlich kurzfristiger. Das Paarshooting legen wir dann später fest, wenn das Datum steht.
Wie lange dauert ein Paarshooting?
Zwei bis drei Stunden inklusive Wegzeit zwischen zwei oder drei Orten. Kürzer geht, ist aber schade: die erste halbe Stunde geht fürs Ankommen drauf.
Was sollen wir anziehen?
Etwas, das ihr schon getragen habt und in dem ihr euch bewegen könnt. Kleine Muster flimmern auf Fotos, sehr helles Weiss zieht bei Sonne die Aufmerksamkeit auf sich. Abgesehen davon: lieber euer Lieblingsstück als ein neu gekauftes Outfit.
Wir fühlen uns vor der Kamera unwohl. Ist das ein Problem?
Nein, das ist die Ausgangslage bei fast allen. Genau deshalb gibt es den Termin. Ihr müsst nichts können und nichts vorbereiten.
Wie viele Bilder bekommen wir, und wann?
40 bis 50 bearbeitete Aufnahmen, in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen, als kuratierte Online-Galerie mit Downloads in voller Auflösung. Für Save-the-Date-Karten reicht das zeitlich in fast allen Fällen.
Machst du Paarshootings auch ausserhalb von Zürich?
Ja, in der ganzen Schweiz. Zürich und der Zürichsee sind die Basis, aber ein Nachmittag in Graubünden oder im Wallis ist gut machbar, und für die Waadt fahre ich gern auch weiter.
Der nächste Schritt
Falls euch beim Lesen ein Ort eingefallen ist — eine Wohnung, ein Waldrand, eine Bank, an der ihr euch das erste Mal getroffen habt — dann fangen wir dort an. Schreibt mir über das Kontaktformular, welches Datum ihr plant und wo ihr feiert. Ich melde mich mit zwei, drei Terminvorschlägen für ein kostenloses Kennenlerngespräch: eine halbe Stunde, ohne Vorbereitung, per Video oder bei einem Kaffee in Zürich.